Der Strukturwandel – Abnahme der Betriebe, Zunahme der Betriebsgröße – schreitet weiter voran. Vor rund 150 Jahren war Österreich noch ein Agrarland, in dem 75 Prozent der Bevölkerung dem Bauernstand angehörten, in den 90er Jahren waren es dann nur mehr rund 5 Prozent.
Österreich und besonders Tirol sind geprägt durch den Nebenerwerb. Ein Leben allein von der Landwirtschaft ist nur schwer möglich. Die Mehrfachbelastung und die schwierigen Produktionsbedingungen führen dazu, dass immer mehr Stalltüren zugesperrt werden.
Die Sicherung des Arbeitsplatzes Bauernhof ist ein zentrales Thema. Insbesondere beschäftigt mich dabei aber die Entwicklung der Standes-
und Interessensvertretung der bäuerlichen Familien. Weniger Bauern bedeuten weniger Stimmen für die Anliegen der Landwirtschaft. Das Ausmaß an Eigentum, Grund und Boden, den es zu vertreten und beschützen gilt, ist aber dasselbe.
So sehe ich für uns Bauern zwei zentrale Aufgaben: Innerhalb der Landwirtschaft können wir uns keine Spaltungen leisten. Ich würde mir wünschen, dass Querdenker, Kritiker und Pioniere ihre Gedanken nicht am Stammtisch positionieren, sondern an direkter Stelle. Denn genau diese Meinungen sind meiner Ansicht nach wertvoll und notwendig. Man muss verstärkt daran gehen, Interessen, Ängste und Bedenken innerhalb der Bauern und Bäuerinnen aufzufangen und gemeinsam an Strategien für die Zukunft zu arbeiten.
Als zweite, durchaus zentrale Aufgabe sehe ich die Notwendigkeit, uns breiter aufzustellen. Wir brauchen den Schulterschluss mit der Bevölkerung und den Zugang zu bäuerlich Gutgesinnten. Die Zukunft der Landwirtschaft sollte vor allem öffentliches Interesse sein. Die Besiedelung des Alpenraumes ist nur durch eine flächendeckende Bewirtschaftung möglich. Die heimische Landwirtschaft ist das Aushängeschild für den Tourismus. Darüber hinaus ist eine flächendeckende Landwirtschaft Indikator für die Lebensqualität aller Menschen in Tirol. Stirbt der Bauer, stirbt das Land, da gibt es nichts zu beschönigen.
In Zeiten der Agrargemeinschaftsdebatte, wo ein Gemeindeverband und eine Liste den Bauern Diebstahl vorwerfen, gilt es, daran zu denken, dass wir stark auftreten müssen. Der Bund sind nicht „nur" die gewählten Vertreter, sondern vor allem wir Bauern und Bäuerinnen. Und es steht in unserer Verantwortung, mitzudenken und mitzureden.