Tirol hat starke Städte und Regionen, wo die Wirtschaft und der Tourismus auf gutem Fundament stehen. Der Trend ist durchwegs positiv und geht kontinuierlich nach oben.
Wir haben aber auch abgelegene Dörfer und Weiler, die mit der Abwanderung der jungen Einheimischen zu kämpfen haben, die keine Perspektiven für die Zukunft in den Dörfern sehen. Die Verpflichtungen, denen die nächste Generation nachkommen muss, liegen oft nicht in ihrer Heimatgemeinde, sie müssen somit auspendeln oder sie entscheiden sich überhaupt, im Ballungsraum sesshaft zu werden, wo sie ihrer täglichen Arbeit nachkommen. Daher wachsen auch den Kleingemeinden die Ausgaben über den Kopf und sie haben alle Hände voll zu tun,
die Infrastruktur zu erhalten.
Was die Zentralisierung gegenüber dem ländlichen Raum für Auswirkungen hat, liegt auf der Hand: Nahversorger, die seit Lebzeit im Dorfkern ihre Dienste geleistet haben, bleiben auf der Strecke, in den kleinen Schulen werden die Kinder immer weniger, Traditionsvereine schrumpfen, in der Kirche ist gähnende Leere und nicht zu sprechen von den Wirtshäusern, wo es keinen Stammtisch mehr gibt oder diese gar schon den Kampf ums Überleben aufgegeben haben.
Das ganze System geht meiner Meinung nach immer mehr in eine bedenkliche Richtung. Was ich skeptisch mitverfolge, was die Landwirtschaft betrifft, ist die Milchabholung in den entlegenen Regionen. Von der Tagesabholung wird auf die zweitägige Abholung umgestellt und die abzuholende Milchmenge wird immer mehr ein Kriterium.
Mir ist bewusst, dass die Hof- und Almabholung den Genossenschaften viel Geld kostet, da die Lohn- und Nebenkosten wie Diesel der stetigen Teuerung unterliegen. Trotzdem muss es gelingen, für die Zukunft eine flächendeckende Abholung zu gewährleisten, da die produzierenden Bauernfamilien ein enormes Gewicht haben, wenn es um die Entwicklung im ländlichen Raum geht.
Eine kleinstrukturierte Landwirtschaft braucht starke, etablierte kleine Betriebe und Genossenschaften. Wenn wir der Entwicklung zum „Rentnerdorf" und „Zweitwohnsitz und Feriendomizil" Stand halten wollen, wird jeder von uns gefordert sein.
Die Jungbauernschaft/Landjugend trägt auf jeden Fall flächendeckend in Tirol ihren Teil dazu bei, die Werte und Traditionen in den Dörfern zu pflegen und vorzuleben. Ob traditionelle, kulturelle oder feierliche Anlässe: Lebt das Dorf, dann lebt auch die Gesellschaft und die Einheimischen fühlen sich wohl.